Wie viele Krippenplätze braucht Deutschland wirklich?

Die deutsche Familienministerin Ursula von der Leyen fordert den Ausbau der Betreuungsplätze für Kinder unter 3 Jahren um weitere 500.000 Stellen und sorgt damit nicht nur in politischen Reihen für eine Kontroverse.

Umfragen zufolge stehen rund 65% der deutschen Bevölkerung hinter der Familienministerin und ihrem Vorhaben. Frau von der Leyen vertritt die These, dass ein verstärktes Betreuungsangebot Frauen die Entscheidung zwischen Kind und Karriere erleichtert. Der Ausbau von Krippenplätzen soll junge Menschen in ihrem Kinderwunsch unterstützen und in der Folge zu einem Anstieg der niedrigen Geburtenrate führen. Im Fokus der These steht hierbei, dass viele Frauen nicht wegen eines finanziellen Drucks nach der Geburt ihres Kindes wieder in ihren Beruf einsteigen, sondern aus persönlichen Motiven. Mit dem staatlichen Ausbau der Krippenplätze und der Ausbildung qualifizierter Tagesmütter auf insgesamt 750.000 Stellen bis zum Jahr 2013 läge laut Ursula von der Leyen ein Betreuungsangebot für rund ein Drittel der unter Dreijährigen vor.

Doch ist der Ausbau staatlicher Kinderbetreuung tatsächlich der Schlüssel zu einer höheren Geburtenrate?

Das Familiennetzwerk sagt nein. Der 2005 gegründete Verein setzt sich für die innerfamiliäre Kinderbetreuung ein und protestiert beispielsweise heftig gegen verpflichtende Ganztagsschulkonzepte. Ihrer Meinung nach sollte jede Familie selbst entscheiden können, ob und wie viele Stunden am Tag sie ihre Kinder betreuen lassen möchten. Um herauszufinden, wie viele Eltern tatsächlich eine Betreuung für ihr unter dreijähriges Kind wünschen, wären sie nicht von dem Umstand, Geld verdienen zu müssen beeinflusst, gab der Verein bei dem Marktforschungsinstitut Ipsos eine Umfrage in Auftrag. Befragt wurden 2000 Personen zwischen 14 und 45 Jahren. Berücksichtigt wurden dabei auch Frauen, die selbst noch nicht Mutter sind, aber einen Kinderwunsch hegen. Die Ergebnisse der Studie wurden im März 2007 veröffentlicht. Bei der Frage, wo das eigene Kind am besten aufgehoben sei, zu Hause bei Vater und Mutter, oder in der Kinderkrippe, gaben 81% der Befragten “Zu Hause” an. Nur 16% zogen eine Kinderkrippe der familiären Betreuung vor. Auffällig ist der große Meinungsunterschied zwischen Ost- und Westdeutschen. Während 88% der Westdeutschen für die familiäre Betreuung stimmten, waren nur 58% der Ostdeutschen der Meinung, das Kind sei besser zu Hause aufgehoben. Vor die Wahl gestellt, wofür die Frauen zusätzliche 1000 Euro, so viel kostet den Staat ein Krippenplatz pro Kind und Monat laut Familiennetzwerk, monatlich lieber einsetzen würden - die Kostendeckung für einen Krippenplatz oder die Betreuung ihres Kindes zu Hause, entschieden sich zwei Drittel der Frauen für das Zuhausebleiben. Fast die Hälfte aller Mütter gab an, sich in diesem Fall im Nachhinein gegen die Ausübung eines Berufes und für die Betreuung ihrer Kinder zu Hause entschieden zu haben.

Bedeuten diese Ergebnisse, dass die 500.000 zusätzlichen, von der Familienministerin geforderten Krippenplätze gar nicht benötigt werden?

Eine Rechnung des Familiennetzwerks unter Einbezug der Umfrageergebnisse, der tendenziell sinkenden Geburtsrate und der bereits unter der rot-grünen Regierung geplanten Schaffung weiterer 230.000 Krippenplätze bis 2010, ergibt, dass sich der eigentliche Bedarf auf nur 100.000 zusätzliche Stellen beliefe. Ob die Veröffentlichung dieser Zahlen einen Einfluss auf politische Entscheidungen nimmt, bleibt abzuwarten.

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Alexander Donabauer
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