Masse statt Klasse

Unterhaltungskünstler haben es schwer. Die Konkurrenz ist so groß, dass sie sich nur aufgrund eines günstigen Preises gegen die anderen durchsetzen können. Teilweise ist ihre Gage so gering, dass sie kaum davon leben können. Nur, wer sich einen Namen gemacht hat und außergewöhnlich gut ist, kommt über die Runden. Ein verstärkender Faktor ist dabei sicherlich das Internet. Früher hat sich vieles herumgesprochen. Konnte man auf einem Dorffest überzeugen, wurde man mit großer Wahrscheinlichkeit auch für die Feier im Nachbarort gebucht. Heute dagegen schauen alle erst einmal ins Netz. Wenn der Künstler aus der zweihundert Kilometer entfernten Stadt günstiger ist, wird man sich wahrscheinlich für ihn entscheiden. Auch ein zweites Engagement an einem Ort ist eher unüblich. Die Menschen wollen nicht zweimal das Gleiche sehen, sondern immer wieder auf neue, überraschende Art unterhalten werden.

 

Diesem Trend haben sich viele Künstler angepasst und bieten verschiedene Shows an. So wird ein Magier, wenn er sich selbst als Zauberer für Weihnachtsfeier bewirbt, zu diesem Anlass andere Tricks zeigen als auf einem Kindergeburtstag. Nur, wenn er seinen Auftraggebern versichern kann, dass sein Repertoire groß genug ist, um beim nächsten Mal etwas komplett Neues zu machen, wird er wiederkommen dürfen. Ob das der Qualität dient, ist fraglich. Schließlich ist es meistens so, dass man entweder Vieles ein bisschen kann oder Weniges richtig gut. Wären die Menschen bereit, mehr zu zahlen, würden sie wahrscheinlich eine viel bessere Show bekommen. So werden sie mit Masse statt Klasse bombardiert. Und weil sie es nicht anders kennen, merken sie nicht einmal, dass ihnen etwas entgeht.

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