Die Liebe in deutschen Schlagertexten

“Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben”, sang einst der ewig blonde Jürgen Marcus. “Ti amo”, hauchte italienisch mit deutsch-südafrikanischem Akzent Howard Carpendale. Und die lackbestiefelte Domina Andrea Berg fleht ihren imaginären Liebhaber an: “Diese Nacht soll nie enden”.

Wir leben im Zeitalter der real existierenden Schlagertexte, in einer halluzinierten Oase der Leidenschaft. Liebe satt! Ist denn nicht endlich alles gesagt zum Thema Liebe? Wenn wir einen Film sehen, in dem sich schließlich nach vielen Turbulenzen der Mann und die Frau leidenschaftlich küssen, sagen wir: ‘Oh! Das ist ein Hollywood-Klischee’. Viele sehen das so: Was mit der romantischen Liebe geschehen ist? Um einen schönen Ausdruck Max Webers, des Übervaters der Soziologie, zu benutzen: Liebe wurde ‘entzaubert’, das heißt, wir betrachten sie nicht mehr als eine magische Kraft, die unser Leben bestimmt, wie auch der bekannte Berliner Diplom-Psychologe Volker Drewes weiß.

Was denn? Kein Liebesnest, das je unser Vakuum der Einsamkeit füllt? Liebe in Zeiten des Kapitalismus, nicht mehr als ein Abziehbild? Unser Leben heute ist um etwas anderes herum organisiert: Arbeit und Kapital. Liebe ist die Entschädigung dafür, eine romantische Utopie.

Charakteristisch für diese romantische Utopie ist die Tatsache, dass sie durch die Massenkultur wieder aufgebaut und benutzt wurde, durch Filme, durch Werbung. Plötzlich begann im Amerika der Jahrhundertwende dieser wichtige Teil viktorianischer Kultur durch die Massenkultur zur Obsession zu werden, wie bereits die Kritischen Theoretiker der Frankfurter Schule lehrten. Und heute? Heute kann spirituelle Partnersuche die Herzensangelegenheiten der Menschen zu befriedigen. Nun ja: “The Times They Are A-Changin”, wie bereits der große Bob Dylan wusste.

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